Golrokh Ebrahimi Iraee verfasste Facebook-Beiträge über politische Gefangene und schrieb eine Geschichte über das Thema der Steinigung einer Frau. Sie wurde in unfairem und nur wenige Minuten dauerndem Gerichtsverfahren ohne ausreichenden Zugang zu einem Anwalt unter unklaren Anklagepunkten wie „Versammlung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“, „Verbreitung und Propaganda gegen das System“ oder „Beleidigung des Gründers der islamischen Republik und des Religionsführers“ zu drei Jahren Haft verurteilt. Sie wurde am 17. Juni 2019 zu weiteren 2 Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Mitte April 2021 kam eine weitere Verurteilung zu einem Jahr Haft und einem zweijährigen Verbot politischer Tätigkeit und Reiseverbot wegen „Verbreitung von Propaganda gegen das System“ hinzu.
Golrokh Ebrahimi Iraee wurde mehrfach (unter Bedingungen) freigelassen und wieder inhaftiert:
Am 3. Januar 2017 wurde sie gegen eine Kaution freigelassen und am 22. Januar 2017 erneut inhaftiert.
Am 8. April 2019 wurde sie gegen Kaution aus der Haft entlassen.
Sie wurde am 9. November 2019 wieder verhaftet und ins Gharchak-Gefängnis gebracht.
Am 24. Januar 2021 wurde sie in das Gefängnis von Amol im Nordiran gebracht.
Am 16. Mai 2022 kam sie aus dem Amol-Gefängnis frei.
Sie wurde im Zuge der Proteste am 26. September 2022 wieder inhaftiert.
Seit November 2022 ist sie im Gefängnis.
Man bot ihr im Februar 2023 eine Begnadigung an, falls sie „Reue“ zeige. Da sie das ablehnte, blieb sie im Evin-Gefängnis in Haft.
Arash Sadeghi, der Ehemann von Golrokh Ebrahimi Iraee, wurde am 12. Oktober 2022 wegen seiner Teilnahme an den Protesten gegen die Regierung verhaftet. Am 21. Januar 2023 ließ man ihn gegen Kaution frei. Am 26. Januar wurde er zu 5 Jahren und 8 Monaten Haft verurteilt, das Urteil wurde im Berufungsverfahren Anfang Mai 2023 auf 4 Jahre und 3 Monate reduziert. 3 Jahre und 7 Monate davon ergingen wegen „Versammlung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“ (diese sind zu verbüßen) und 8 Monate wegen „Propaganda gegen das Regime“. UN-Experten forderten im Dezember 2022 seine Freilassung, die dann im Januar 2023 erfolgte.
Eine Falldarstellung zu Golrokh Ebrahimi Iraee und Arash Sadeghi vom Juni 2023 finden Sie → hier – PDF: 301,3 kB.
Nasrin Sotoudeh_backup_26_04_26
Nasrin Sotoudeh ist eine der bekanntesten Menschenrechtsverteidigerinnen des Landes. Als Anwältin tritt sie für Gefangene ein, auf die es die iranische Regierung besonders abgesehen hat. Nachdem sie 2018 zwei Frauen verteidigte, die gegen die Kopftuchpflicht protestiert hatten, verurteilte man Sotoudeh zu 38 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben wegen “Anstiftung zur Prostitution”, “Verbreitung von Propaganda” und “Verschwörung gegen die nationale Sicherheit”. Von der Haftstrafe muss sie nach iranischem Recht mindestens 17 Jahre verbüßen.
Im Oktober 2020 erhielt sie den Alternativen Nobelpreis „für ihr furchtloses Engagement, unter hohem persönlichem Risiko, zur Förderung politischer Freiheiten und der Menschenrechte im Iran”. Seit März 2021 trat sie zweimal in einen Hungerstreik, um gegen die Haftbedingungen zu protestieren. Wegen ihrer gesundheitlichen Probleme nach Haft und Hungerstreik ist sie besonders gefährdet. Seit ihrer Festnahme am 13. Juni 2018 wurde sie im Teheraner Evin-Gefängnis festgehalten und ist seit Februar 2022 im Hafturlaub.
Reza Khandan, ein iranischer Menschenrechtsverteidiger und Ehemann von Nasrin Sotoudeh, wurde am 13. Dezember 2024 von iranischen Sicherheitskräften verhaftet und befindet sich seither im Evin-
Gefängnis. Es geht um die Verbüßung einer sechsjährigen Freiheitsstrafe, die 2019 gegen Reza Khandan verhängt wurde wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie der konspirativen Beteiligung an der Herstellung und Verbreitung von Ansteckern, die sich gegen den Zwang zum Tragen eines Hijabs richteten.
Bereits 2023 gab es einen Versuch, diese Strafe zu vollstrecken. Damals kam Reza Khandan jedoch dank
internationaler Proteste wieder frei.